CIO Guide zu Public Cloud Kosten & Betrieb

Lesezeit: 15 Minuten

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INTRO

Das Thema Cloudkosten und Transparenz zur Nutzung ist ein heikles Unterfangen in vielen Unternehmen geworden. Selten wird dieses Thema von Beginn an transparent angegangen, entweder die Technologie oder der Druck aus dem Geschäftsbereich liegt dann im Fokus.

Daher ist das Thema Cloud-Kosteneinsparung ein TOP-Thema für CFOs & CTOs geworden! Dies spiegeln auch einschlägige und aktuelle Reports wieder, unter anderem der IDG-Report “The 2020 IDG Cloud Computing Survey” vom Juni, oder der Flexera-Report “Cloud Computing Trends: 2020 State of the Cloud” vom Mai diesen Jahres.

Auch hier zeigt sich wieder ein ähnliches Phänomen wie beim Multi Cloud Management. Im wöchentlichen Rhythmus gibt es neue Tools und Startups, die sich auf dieses Thema kommerziell eingeschossen haben. Nun stellt sich erneut die Frage:

Löst ein (weiteres) Tool genau diese Probleme?

CLOUD.KOSTEN

Welche Kosten verbergen sich wirklich hinter Clouddiensten?

In Cloud Projekten wird zwar gerne der Faktor Kosten herangezogen, um zu starten. Jedoch durch die Komplexität sehr schnell intransparent und häufig werden erst nach Monaten die echten Kosten (teilweise) sichtbar.

Dies ist sicherlich kein ungewollter Nebeneffekt der Cloud Provider, denn eine AWS oder Microsoft Azure leben sehr gut davon, wie die Gewinne zeigen.

Viele vertrauen hier auch auf die Preiskalkulatoren der Provider, wie AWS oder Azure, die im schicken Design die Preise auflisten und natürlich auch gerne TCO-Berechnungen aufstellen. Dies setzt jedoch fundiertes Knowhow pro Clouddienst (bei 100+ Diensten!) voraus und eine exakte Planung der einzelnen Ressourcen, die ausgerollt werden soll. Was wiederum selten funktioniert, da im Verlauf eines Cloud-Projektes immer wieder Anpassungen vorkommen, welches der natürliche Verlauf eines agilen Projektes ist!

Auf der einen Seite bieten alle Cloud Provider maximale Transparenz Ihrer Kosten, die Sie zu jedem Zeitpunkt einsehen können. Jedoch wird jeder, der schon mal eine AWS- oder Azure-Abrechnung gesichtet hat genau wissen, was ich meine. 0,30€ da, 2,80€ dort, hier noch 48€ für speziellen Support und 710€ für Logging usw. - maximale Transparenz bedeutet Fluch und auch Segen!

Hier ein echtes Beispiele, wie verwirrend solche Abrechnungen sind und wie schwer es ist, diese zu interpretieren. Dies gilt auch für alle anderen Provider wie AWS und Google!

Azure-Abrechnung - Auszug:

alt text Quelle: Microsoft EA-Azure Rechnung

Vorsicht ist geboten und auch hier gilt immer: Kontrolle ist besser als blindes Vertrauen!

HERAUSFORDERUNGEN

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Da wir in den letzten 5 Jahren einiges an Erfahrung in Cloudprojekten gesammelt haben, sowohl im konzeptionellen, als auch im betrieblichen Umfeld, erkennen wir ein wiederkehrendes Muster zu den Herausforderungen.

Kostenmanagement

Diese Verantwortung liegt traditionell beim Einkauf, Lizenz-/Vertragsmanagement oder Controlling. Hier sind etablierte Mechanismen und Prozesse etabliert, von der Beschaffung, Vertragsverhandlung, dem Vertragsabschluss bis hin zu Lizenzaudits.

Ganz anders sieht es im Bereich Software-as-a-Service (SaaS) oder generelle Nutzung von Public Cloud Providern aus. Hier hat jedes Unternehmen eine Vielzahl an SaaS-Applikationen und unterschiedliche Cloud Anbieter im Einsatz. Es ist auch nicht einfach ein individuelles Vertragskonstrukt mit den großen Cloud Providern abzuschließen. Da eine Amazon, Microsoft oder Google im Cloudumfeld ganz andere Maßstäbe ansetzt, die so im deutschen Enterprise-/Mittelstand-Umfeld nicht etabliert sind, geschweige ohne weiteres akzeptiert werden.

Darüber hinaus gibt es eine unüberschaubare Anzahl an unterschiedlichen Clouddiensten, Bezahlmodellen, Rabattierungsmöglichkeiten und Vertragslaufzeiten, ganz zu schweigen von verschiedensten Service Level Agreements und Supportleistungen.

Alle Provider bringen Ihr eigenes Kostenmanagement mit, egal ob AWS Cost Explorer, Azure Kostenmanagement, oder Google Cloud Plattform Kostenverwaltung. Diese Zugriffe brauchen sehr spezielle Berechtigungen und gute Kenntnisse, da die Navigation sehr technisch und kompliziert ausgelegt ist.

Ressourcen Transparenz

Cloudtechnologien sind ohne Frage die Grundlage für eine erfolgreiche Digitalisierungsstrategie und sind entsprechende Innovationstreiber. Jedoch wird häufig die Komplexität unterschätzt und damit auch die optimale Nutzung von Infrastructure-as-a-Service (IaaS)-, Platform-as-a-Service (PaaS)- und Software-as-a-Service (SaaS)- Diensten. Allein auf AWS oder Azure gibt es hunderte von unterschiedlichen Diensten, die es nicht einfach machen, den für sich optimalen Clouddienst in Anspruch zu nehmen! Es ist auch keine Seltenheit, dass klassische Lift & Shift Cloud Migrationen erheblich mehr Kosten verursachen, als die vom seinem Bestandsprovider bekannten!

Durch die sehr unterschiedliche Handhabung der Nutzung und Bereitstellung, ist eine übergreifende Transparenz auch nicht einfach in einem Dashboard per se gegeben. Hier gilt es die spezifischen Anforderungen der Cloud Provider zu berücksichtigen, wie zum Beispiel AWS Multi-Accounts, Azure Subscriptions oder Google Projekte.

Cloud Betrieb

Alles fällt und steht mit einem gut aufgestellten Betriebsteam - dies gilt auch im Cloud-Zeitalter!

Es erfordert viel praktische Erfahrung und technologisches Knowhow in Bereichen, in denen die klassische IT wenig bis keine Berührungspunkte hat. Egal ob im Bereich Cloud-natives Monitoring, Infrastructure-as-Code, Deployment-Pipelines, oder fundierte Open Source Expertise bei cloudbasierten-Applikationen.

Auch wenn DevOps oder Site-Reliability-Engineering (SRE) allgegenwärtig ist, so ist es für die meisten IT-Teams noch ein langer Weg dahin. Kein System- oder Datenbankadministrator wird mit ein paar Schulungen automatisch zum Cloud-Architekten und auch die neuen Ansätze im Bereich Infrastruktur-Bereitstellung und Überwachung, wird einiges an Investition und Umdenken bedeuten.

Die nachfolgende Grafik stellt den Wandel dar und das eine erfolgreiche IT nicht mehr im Silo arbeiten kann.

alt text Quelle: AWS Operations Readiness

COTS steht für: Commercial-Off-The-Shelf Produkte

Cloud-Expertise allein wird auch keine IT-Abteilung kurz-/mittelfristig zum Cloud Competence Center machen. Es erfordert eine vielfältige Justierung, sowohl neue Lernpfade als auch neue Rollen sind gefordert. Die nachfolgende Grafik von Microsoft zeigt, wie sich die IT-Rollen und Verantwortungen verändern.

alt text Quelle: Microsoft neue IT-Rollen

EMPFEHLUNGEN

  • Kostentransparenz ist keine eigene Disziplin, diese muss in der Entwicklung, Bereitstellung, aber auch im Cloud-Betrieb verankert sein. Etablieren Sie von Beginn an einen entsprechenden Standard und involvieren Sie Ihre IT-Abteilung so früh wie möglich. Zu häufig werden diese von agilen Externen überfordert, die nichts anderes kennen als Cloudtechnologien. Am Ende des Tages zählt weiterhin die Jahrzehnte lange Erfahrung Ihrer IT und Applikationsentwickler, nicht alles ist wirtschaftlich sinnvoll cloudifizierbar!

  • Starten Sie mit den Cloud Provider-eigenen Möglichkeiten, bevor Sie ein zusätzliches Tool nutzen. Zumal diese kommerziellen Lösungen Ihre Daten in der Cloud ablegen und verarbeiten.

  • Wägen Sie Cloud Migrationen gut ab und lassen Sie sich nicht allein von Preisen und Technologien blenden. Lift & Shift Migrationen von Virtuellen Maschinen sind sicherlich ein Start, um sich mit Cloudtechnologien vertraut zu machen, aber selten wirtschaftlich. Das Motto sollte immer lauten: SaaS vor FaaS vor PaaS vor IaaS.

  • Nutzen Sie die Alarmierungsmöglichkeiten der Provider, wie zum Beispiel Azure Budgets oder AWS Budgets, um zumindest Kostenexplosionen zu vermeiden.

  • Historischer Verlauf der Kosten- und Ressourcennutzung ist nur bedingt möglich. Nutzen Sie die nativen Schnittstellen, um Daten längerfristig abzulegen. Auch hier gibt es einige Möglichkeiten wie ein einfacher Export in eine PaaS-Datenbank, oder Elasticsearch, um darauf basierend einfache Visualisierungs-Tools zu nutzen (Bsp. PowerBi oder Kibana).

  • Nutzen Sie auch hier die Erfahrung aus der Cloud Native Foundation Computing Community und greifen Sie auf renommierte Open Source Komponenten zurück.

FAZIT

Ein adäquate Ressourcen- und Kostentransparenz ist in der Public Cloud wichtiger denn je, damit das Potential nicht nur technologisch, sondern auch wirtschaftlich voll ausgeschöpft wird.

Vertrauen Sie nicht auf ein Tool allein, sondern etablieren Sie frühzeitig einen entsprechenden Prozess in den relevanten Abteilungen. Auch hier zeigt sich wieder, wie wichtig es ist, dieses Thema von Beginn an in seiner Cloud Adoption Reise zu adressieren!

Wir als CLOUDETEER haben durch die Vielzahl an Cloudprojekten „Lessons-learned“ und Transparenz ist unser oberstes Credo. Dies zeigt sich auch in unseren umfangreichen Multi-Cloud Dashboards und automatisierten Cloud-Reports, die wir unseren Managed Services Kunden kostenfrei zur Verfügung stellen.


Wie immer freue ich mich auf Rückmeldungen und Ihre Meinung zu diesem Thema!

Fragen Sie uns!

Gerald Fehringer
CTO, Founder
CISSP, CISA, CISM, CCSP, Cloud Nerd-by-nature
E-Mail: gf |at] cloudeteer.de
Twitter: @zerohat